Die heilsame Malerei

Auszug der Rede von Dr. Waltraud Schwarzhappl (Kunsthistorikerin) zur Eröffnung der Vernissage "Wasserlichtung":

Martina Höss verwendet zur Formulierung eines geistigen Mysteriums nahezu alle Gestaltungsmittel: absolute Helligkeit, farbliche Transparenz, Beweglichkeit oder Vibration sowie räumliche Ambivalenz. Die Physik, als die härteste der Naturwissenschaften hat sich ja bezeichnenderweise als erste mit der Mystik getroffen als sie postulierte, dass es keine kleinsten Teile gäbe, es sei keine Materie mehr zu finden, sondern nur Wechselwirkungen von Beziehungen. Was bleibt, ist schwingendes Licht, Vibration. "Leere".

Kein Wunder, dass die gelungene Gestaltung heilende Wirkung auf den Betrachter ausübt. Die magischen Bilder, die als einzige Voraussetzung haben, dass man sich gänzlich auf sie einlässt, sind Meditationsbilder. Zunächst hat man einen eher diffusen, verschwommenen Eindruck. Fixiert man das Zentrum, nimmt man plötzlich deutlicher Farbflecken und Farbwolken wahr, die darunterliegenden Schichten beginnen durchzuscheinen, bevor durch das weitere visuelle Festhalten des Zentrums das absolute Licht des Grundes, des Urgrunds und der Mitte, das Bild völlig auflöst. Diese Erfahrung führt den Betrachter ins eigene Zentrum, zum eigenen Licht.